COSIMA FILMTHEATER
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Eva Lichtspiele
Bundesplatz Kino
Berlin Film Katalog präsentiert nochmals
Kennen Sie Urban? (1970/71)
... nur am Montag, 16. März 2026 um 17.30 Uhr im Cosima-Filmtheater !
Montag 16.03.
Zum 90. Geburtstag von Ingrid Reschke (dieser ist am 13. März)
DDR 1970/1971 – 96 Min. – Schwarzweiß
R: Ingrid Reschke
B: Ulrich Plenzdorf, Ingrid Reschke
K: Claus Neumann
M: Rudi Werion
D: Berndt Renné, Jenny Gröllmann, Harald Wandel, Irma Münch, Manfred Karge, Katja Paryla, Jürgen Heinrich
Foto Quelle: (Berndt Renné, Jenny Gröllmann, Harald Wandel) (C) DEFA_Stiftung_Klaus_Mühlstein
Ingrid Reschke war die erste Frau, die bei der DEFA abendfüllende Kinospielfilme für
Erwachsene inszenieren konnte. Dennoch geriet sie, wohl auch bedingt durch ihren
frühen Tod im Jahre 1971, in Vergessenheit. Das Drehbuch zu „Kennen Sie Urban?“,
ihrem vierten und letzten Film, verfaßte sie zusammen mit Ulrich Plenzdorf. Dieser
hatte die Story nach Berichten Gisela Karaus aus der Ost-Berliner Jugendszene
erarbeitet, wobei es zu umfangreichen Auseinandersetzungen mit der Zensur
gekommen war. Dennoch entstand am Ende eine recht „rund“ wirkende Mischung
aus Roadmovie und sozialistischer Coming-of Age-Story über einen jungen Berliner
aus „schwierigen“ Verhältnissen, der erst wegen Körperverletzung im Gefängnis saß
und anschließend wegen Gelbsucht im Krankenhaus lag. Sein dortiger Zimmer
genosse, ein weitgereister, weltgewandter und charakterlich gefestigter Ingenieur
namens Urban, beeindruckte ihn sehr. Nun versucht der junge Mann, gemeinsam
mit seinem sehr viel unkomplizierter gestrickten Bruder, jenen Urban zu finden und
zieht zu diesem Zweck von einer Großbaustelle der DDR zur nächsten – bis ihn
eine selbstbewußte junge Berlinerin (Jenny Gröllmann in einer ihrer ersten Rollen)
erobert.
Ingrid Reschke achtete (wie schon bei „Wir lassen uns scheiden“, unserer Berlin
Film-Rarität des Monats Januar 2022) auf eine dem überbreiten Scopeformat
gerechte Bildgestaltung. Sie schuf einen Film, der heitere Elemente enthält, ohne
wirklich eine Komödie zu sein. In der DDR der ausklingenden Ulbricht-Ära wurde
„Kennen Sie Urban?“ mit viel Lob bedacht. Ulrich Plenzdorf, der Kameramann Claus
Neumann, der Komponist Rudi Werion und posthum Ingrid Reschke erhielten den
renommierten Kunstpreis des FDGB, im „Neuen Deutschland“ feierte der faktische
Cheffilmkritiker Horst Knietzsch den Streifen unter der Überschrift „Ins Kino gehen –
es lohnt sich!“ Daß der Film von den Bezirksfilmdirektionen, die für die Disposition
zuständig waren, dann eher stiefmütterlich behandelt wurde und wenig zu sehen
war, beklagte Ingrid Reschke in einem von ihr verfaßten Artikel im „Neuen Deutsch
land“. Nicht zuletzt bescherte „Kennen Sie Urban?“ ihr bei der DEFA endlich eine
Festanstellung als Regisseurin (bis dahin hatte sie nur eine Stelle als Regieassisten
tin gehabt und von Film zu Film Verträge als Regisseurin und Drehbuchautorin be
kommen). Ihr bereits fest eingeplantes nächstes Projekt mit Ulrich Plenzdorf konnte
Ingrid Reschke nicht mehr realisieren: „Die Legende von Paul und Paula“. Der Film
(bekanntlich von Heiner Carow übernommen, dem Ingrid Reschke in jungen Jahren
assistiert hatte) wurde ihr dann gewidmet.
Die Zusammenarbeit von Ingrid Reschke und Ulrich Plenzdorf wurde inzwischen
auch dadurch gewürdigt, daß zwei, einander kreuzende Straßen in einem neuen
Wohngebiet am Rummelsburger See (auf dem eine berühmte Szene von „Die
Legende von Paul und Paula“ entstand) nach ihnen benannt wurden. Die Ingrid
Reschke-Straße führt von der Hauptstraße zum Paul-und-Paula-Ufer.
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© Cosima Filmtheater Berlin. All rights reserved. | Programming & Design: Uli Schmidt
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