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Winter in Sokcho
...zum Bundesstart ab 5. Februar 2026 im Cosima und im Eva !
Freitag 06.02.
Sonntag 08.02.
Von Herkunft und Identität erzählt Koya Kamura in seinem stimmungsvollen Debütfilm „Winter in Sokcho“, basierend auf dem auch in Deutschland erfolgreichen Roman der Franko-Schweizerin Elisa Shua Dusapin, die von einer zufälligen Begegnung zwischen zwei einsamen Menschen erzählt, die sich treffen und wieder auseinandergehen.
Nach Jahren im Ausland ist Soo-Ha (Bella Kim) wieder in ihre südkoreanische Heimat zurückgekehrt und arbeitet in einem kleinen Hotel. Viel los ist jedoch nicht in Sokcho, einer Stadt an der Ostküste des Landes, die wenig bemerkenswertes aufzuweisen hat, Hochhäuser prägen die Skyline, meist machen Reisende jedoch nur kurz halt, auf dem Weg zu interessanteren Orten.
Anders der Franzose Yan (Roschdy Zem), der auf unbestimmte Zeit in das Hotel eincheckt und von der seltsam abweisend wirkenden Soo-Ha ein winziges Zimmer zugewiesen bekommt. Ihre Irritation ob des gut doppelt so alten Franzosen hat einen Grund: Soo-Has Vater war selbst Franzose, hatte ihre Mutter (Park Mi-hyeon) jedoch schon vor der Geburt verlassen. Soo-Ha hat ihren Vater nie kennengelernt, seine Abwesenheit hat eine Leere in ihrem Wesen erzeugt, die schwer zu füllen scheint. Ihr loser Freund (Gong Do-yu) ist da keine Hilfe, aber vielleicht kann Yan die Rolle einnehmen.
Das Soo-Ha Französisch spricht macht sie zur wichtigen Anlaufstelle für den Mann, der sich als Comic-Künstler auf der Suche nach Inspiration herausstellt. Warum es ihn ausgerechnet nach Sokcho verschlagen hat bleibt wie vieles offen, nur langsam kommen sich die beiden Charaktere näher, Soo-Ha mit größerer Neugier, vielleicht auch der Hoffnung, dass es sich bei Yan aus purem Zufall um ihren Vater handeln könnte oder er zumindest in die Rolle eines Ersatzvater schlüpfen könnte. Yan dagegen hält sich zurück, meidet soziale Situationen, lehnt die ihm entgegengebrachte Gastfreundschaft manchmal fast brüsk ab, zumindest nach koreanischen Maßstäben.
2016 veröffentlichte die damals erst 24 Jahre alte Franko-Schweizerin Elisa Shua Dusapin ihren Debütroman „Winter in Sokcho“, in dem sie auf eigene Erfahrungen zurückgriff: Als Tochter einer koreanischen Mutter kennt sie Fragen nach der eigenen Herkunft aus erster Hand, kennt die Suche nach Identität und Heimat.
Verfilmt wurde der Roman nun von Koya Kamura, einem französisch-japanischen Regisseur, der in Paris geboren wurde. Auch er kann also aus eigenen Erlebnissen schöpfen, hat seinen Debütfilm nun sogar ebenfalls in der Fremde gedreht, in Korea. Angesichts dieser vielfältigen Sprachbarrieren und komplizierten Herkunftsgeschichten überrascht es nicht, wie überzeugend es in „Winter in Sokcho“ gelingt, ein von Melancholie geprägtes Gefühl des Suchens zu erzeugen.
Was der Geschichte an äußerer Handlung fehlt, wird durch das Evozieren von widersprüchlichen Gefühlsregungen wettgemacht. In loser Form beschreibt Kusama wie Soo-Ha und Yan umeinander kreisen, wie sich ihr unbestimmtes Verhältnis mal in diese, mal in jene Richtung zu entwickeln scheint. Meist ist es Soo-Ha, die ein bisschen forscher agiert, die Yan zum selbstgekochten Essen einlädt, was er nur widerspenstig annimmt.
Aber so wie Soo-Ha nach Antworten über ihre Herkunft verlangt, so braucht auch Yan zwischenmenschliche Kontakte, nicht zuletzt als Inspiration für seine Tuschezeichnungen. Immer wieder unterbricht Kusama den Fluß der Bilder und zeigt diese Zeichnungen, die mal direkt von Yan zu stammen scheinen, manchmal aber auch aus Soo-Has Phantasie.
Der Schnee, der die Wege und Häuser bedeckt, lässt das Geschehen noch mehr in einem Bereich irgendwo zwischen Traum und Realität spielen, an dessen Ende sich die Wege der Beteiligten zwar wieder trennen, aber nicht ohne dass die Begegnung tiefe Eindrücke hinterlassen hätte.
Michael Meyns (programmkino.de)
https://www.filmkinotext.de/winter-in-sokcho.html
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