COSIMA-FILMTHEATER

Sieglindestraße 10
12159 Berlin
U- und S-Bahn Bundesplatz
Tel.: ...
Wir zeigen heute,
Samstag, den 20.04.2024:


13:00 Cosima:
Arrow Das doppelte Lottchen (1950)

15:15 Cosima:
Arrow The Zone of Interest

17:45 Cosima:
Arrow Die Herrlichkeit des Lebens

20:30 Cosima:
Arrow Morgen ist auch noch ein Tag

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Bob Marley One Love (DF)

... wieder am Sonntag, 7. April um 15.00 Uhr im Cosima-Filmtheater!

Für viele ist er ein Heiliger, für Jamaikaner, aber auch unzählige, gerne weiße Reggae-Fans und Freizeit-Revoluzzer in aller Welt: Bob Marley. An diesem Bild wird Reinaldo Marcus Greens „Bob Marley – One Love“ nichts ändern, ein biographischer Film, der sein Subjekt auf ein Podest stellt, dabei die Hits spielt und viele Spliffs rollt. Bedingt berauschendes Ganja.

USA 2023
Regie: Reinaldo Marcus Green
Buch: Terence Winter, Frank E. Flowers, Zach Baylin, Reinaldo Marcus Green
Darsteller: Kingsley Ben-Adir, Lashana Lynch, James Norton, Tosin Cole, Umi Myers, Anthony Welsh, Nia Ashi, Aston Barrett Jr., Anna-Sharé Blake
Länge: 104 Minuten


FILMKRITIK:

Sehr viel Text gibt es zu Beginn von Reinaldo Marcus Greens Film zu lesen, von Bob Marleys Herkunft ist die Rede, der politischen Situation Jamaikas im Jahre 1976, dem Versuch des schon damals weltberühmten Reggae-Musikers, mittels eines Konzerts Frieden in seiner Heimat zu schaffen. Das so viel einleitende Erklärungen nötig ist, deutet an, dass zwar fast jeder Bob Marley kennt, sicher auch die Refrains von drei, vier Songs mitzusingen versteht, das Wissen über den jamaikanischen Musiker darüber hinaus allerdings schon dünn wird.

43 Jahre nach dem frühen Tod Marleys, der 1981 an einer Krebserkrankung starb, kommt nun ein biographischer Film ins Kino, nur ganz minimal am Denkmal von Marley kratzt, aber genug Groove hat. Was auch an Kingsley Ben-Adir liegt, der als Bob Marley eine überzeugende Performance abliefert, für die er stundenlang Video- und Tonaufnahmen Marleys studiert hat. Mit Erfolg, wie im Abspann gezeigte Bilder des echten Marleys zeigen. Vor allem auch das typische, fast schon klischeehafte Jamaika-Patois, dieses leicht verschleppte, leicht bekiffte, grammatikalisch ein wenig anders funktionierende Englisch, hat Ben-Adir so gut drauf, dass Untertitel dringend anzuraten sind.

An seiner Seite steht Lashana Lynch als seine Frau Rita, die hier durchaus auch Kritik an Marleys wenig monogamen Lebenswandel führen darf. Die bei genauerem Hinsehen befremdliche Rastafari-Bewegung, die den 1974 ermordeten äthiopischen Kaiser Haile Selassie, als den Messias betrachtete, wird ohne Widerspruch als Weg zur Freiheit dargestellt, als Inspiration, die Marley dazu brachte, Frieden auf Jamaika zu schaffen.

Auch wenn sein Biopic dies behauptet, so weit reichten Marleys Kräfte dann doch nicht, auch wenn er bei einem Konzert zwei rivalisierende weiße (!) Politiker zusammenbrachte. Das Jamaika auch Jahrzehnte später immer noch ein nicht allzu sicheres, nur bedingt demokratisches Land ist, kann man Marley allerdings nicht ankreiden. Seine Stärke war die Musik und so sind die besten Szenen von „Bob Marley – One Love“ dann auch solche, in denen er und seine Musiker im Studio Musik machen, Songs entwickeln, jammen oder auf der Bühne stehen.

Viel geraucht wird dabei, der Fußball darf auch nicht fehlen, Marley und seine Entourage liebten das Spiel, dazu viele Frauen, Treffen mit Prominenten, von London bis Paris, am Anfang und Ende aber in Jamaika. Nur hier, so erzählt es Reinaldo Marcus Green, fühlte sich Marley wirklich zu Hause, auch wenn er als Sohn eines weißen Vaters und Rastalocken tragender Rastafarian nicht nur von einem Teil der jamaikanischen Gesellschaft lange diskriminiert wurde. Doch für diese Gesellschaft ist er auch heute noch das größte Idol, das die Karibik-Insel je hervorgebracht hat. Woran das liegt, deutet „Bob Marley – One Love“ an, in einem immer wieder sehenswerten Biopic.

Michael Meyns, Programmkino.de