COSIMA-FILMTHEATER

Sieglindestraße 10
12159 Berlin
U- und S-Bahn Bundesplatz
Tel.: ...
Wir zeigen heute,
Dienstag, den 05.03.2024:


15:00 Cosima:
Arrow Bob Marley One Love (DF)

17:45 Cosima:
Arrow Sonntagskind

20:30 Cosima:
Arrow The Zone of Interest

Wir empfehlen auch den Besuch unserer Nachbarkinos:
Pfeil Eva Lichtspiele
Pfeil Bundesplatz Kino
Berlin-Film-Katalog präsentiert nochmals

Ein Polterabend (1954/55)

Der einzige Film von Curt Bois>

... nur am Montag, 19.2. um 17.30 Uhr im Cosima-Filmtheater !

Ein Polterabend – DDR 1954/1955 – 86 Minuten – Farbe – R: Curt Bois – B: Curt
Bois, Werner Bernhardy – K: Robert Baberske – M: Paul Strasser – D: Werner
Peters, Charlotte Brummerhoff, Willy A. Kleinau, Gerhard Bienert, Eva Brumby,
Rolf Moebius, Hella Ferstl, Johannes Maus, Paul Heidemann, Harry Gillmann,
Barbara Berg [d.i. Barbara Brecht-Schall]

Curt Bois (1901-1991), der seine Karriere 1908 als Kinderstar im Charlottenburger
Theater des Westens begann, war einer der bedeutendsten deutschen Charakter-
komiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Max Reinhardt, Heinz Hilpert, Bertolt
Brecht, Fritz Kortner und Ruth Berghaus waren nur einige der Theatergrößen, die
ihn schätzten und für ihre Inszenierungen verpflichteten. Im Tonfilm konnte der
Berliner leider viel zu wenige Spuren hinterlassen und bloß einmal bei einer
abendfüllenden Produktion Regie führen: „Ein Polterabend“ entstand 1954/
1955 bei der DEFA nach dem gleichnamigen Frühwerk von Werner Bernhardy, der
mit Bois auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete und sich zu einem erfolg-
reichen Autor volkstümlicher Theater- und TV-Stücke entwickelte.
Angesiedelt im leider nicht mehr sehr revolutionären Berlin des Jahres 1849, dreht
sich die zeitkritische Komödie um den berühmten Schriftsteller und Jour-
nalisten Adolf Glaßbrenner (hier nach seinem Pseudonym „Brennglas“ genannt)
und einige seiner Figuren: Der von der Obrigkeit verfolgte Satiriker möchte seine
geliebte Adele heiraten, die ihn aber unmöglich machen würde, nähme sie das ihr
aus ebendiesem Grunde aufgedrängte Engagement am Hoftheater an. Eine wich-
tige Rolle spielen in der turbulenten Handlung auch der gerade durch ein Aktien-
geschäft in den Ruin getriebene Rentier Buffey, der hinterhältige Kultusminister
von Presskopp, die Moral heuchelnde Provinzbaronin von Dunklage und der ver-
trottelte Vizegefreite Pippich, welcher ihr als Bursche dient.
Bois hatte 1952 bereits die Uraufführung von „Ein Polterabend“ am Deutschen
Theater inszeniert. Dem farbigen Kostümfilm, der genregerecht mit beachtlichem
Aufwand produziert wurde, drückte er seinen Stempel auf: Mit einem Feuerwerk
an Gags und Tricks, bizarren Einfällen und absurdem Humor, charmanten
Albernheiten und Wortspielen, hemmungslos überzeichneten Charakteren,
Slapstick und Situationskomik entstand eine überbordende Burleske.
Nach dieser Produktion zog Bois, der sich 1950 nach seiner (durch Thomas Mann
wesentlich unterstützten) Rückkehr aus dem US-Exil in der DDR angesiedelt und
vor allem in Ost-Berlin gearbeitet hatte, in den Westteil der Stadt. „Ein Polter-
abend“ geriet nahezu völlig in Vergessenheit. Berlin-Film-Katalog hat diese Wie-
derentdeckung erstmals 2018 gezeigt, als Verbeugung vor dem brillanten Erz-
komödianten Curt Bois wie auch zur Erinnerung an Werner Peters (in diesem Film
der Pippich), dessen Geburtstag sich 2018 zum hundertsten Male jährte.